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Neue Gedanken von Christian Berg!
Als erstes möchte ich Euch einen Monolog aus DER RAUB DER SABINERINNEN, einem Klassiker des Deutschen Theaters, nicht vorenthalten, denn was der Striesse, Theaterdirektor seines Zeichens, dort sagt, gilt auch noch heute:
"STRIESE. Schmierentheater! – Hören Sie, jetzt läuft mir die Galle über! Wissen Sie denn überhaupt, was eine Schmiere ist? Es ist wahr, wir ziehen von einem Ort zum andern; aber mein erhabener Kollege, der Herzog von Meiningen, machte es ja ebenso. – Es ist wahr, dass ich meinen Schauspielern fast gar keine Gage bezahlen kann, aber dafür leisten sie desto mehr. Da ist zum Beispiel mein erster Held – ein früherer Apotheker, – das ist ein Beleuchtungsinspektor, wie Sie ihn suchen können; mit Hilfe einer einzigen Petroleumlampe und einer roten Glasscheibe lässt Ihnen der die Sonne untergehen, dass es Ihnen nur so vor den Augen flimmert. Und dabei das Familienleben unter meinen Leuten! Meine Frau kocht für die ganze Gesellschaft, damit meine Sozietäre sich an Entbehrungen gewöhnen.
Der Charakterspieler ist nicht zu stolz, die Kartoffeln zu schälen, und mein Jüngster kann gar nicht einschlafen, wenn nicht der Intrigant, der gute Kerl, ihn vorher eine Stunde lang in der Stube herumträgt. Und wie anhänglich mir die Leute sind. Meine jugendlich-naive Liebhaberin ist nun bald achtzehn Jahre bei mir, sie denkt gar nicht daran, wegzugehen. Und was schließlich meine Frau anbelangt – – nicht nur, dass sie das Kassenwesen besorgt, den Schauspielern die Haare brennt, in der Stadt die Requisiten zusammenborgt und abends die größten Rollen spielt, nein, sie hat trotz dieser Ueberbürdung im Laufe der Jahre noch Zeit gefunden, mich mit einer Schar lieblicher Kinder zu beschenken. Sehen Sie, Herr Doktor, das wird an einer Schmiere geleistet, und ich bin der Direktor! Empfehle mich! (Wendet sich zum Abgehen.Der Vorhang fällt)"
Eigentlich geht es mir nicht anders, nur das heute auch noch sogenannte Agenten und manch fadenscheinige Manager (ausdrücklich nicht mein neues Management REDCARPET) die Hände mit im Spiel haben. Wenn man so einen kreativen Beruf hat wie ich, dann ist man verdonnert anderen zu vertrauen und sich auf sie einzulassen. Verdonnert zu vertrauen! Und das haben bei mir in den letzten 25 Jahren, viele ausgenutzt! Ja, ich kann manchmal meine Gagen nicht zahlen und es stimmt auch, dass so manche Rechnung liegenbleibt, bis der Gerichtsvollzieher kommt.
Ja, das geht mir an die Nerven und an die Substanz und ich denke oft ans Aufhören oder Aufgeben, aber ich kann ja nichts anderes machen! Ich liebe diese Arbeit und ich lebe sie, jetzt nunmehr 25 Jahre! Ich finde es nicht ehrenrührig mit einem privaten Familientheater, dass gute Unterhaltung, selbst in die entlegensten Winkel dieses Landes bringt, Schulden zu haben! Denn: Wir bekommen nicht einen Cent Subventionen und werden ausser Expert-Bening, von niemandem finanziell unterstützt! Wenn Ihr meine Arbeit unterstützen wollt, gerne! Eine kurze Email an info@bergs-welt.de reicht! Ich bin aber kein Verein und kann keine Spendenquittungen ausstellen!
Meine Heimat ist der Norden!
Ich bin ein Junge von der Küste, direkt vom Meer, da wo die Wellen zum Ausruhen an den Strand platschen, sich kurz am Ufer erholen, um dann wieder ein Teil des ganzen, großen Ozeans zu werden.
Wenn das Wasser da ist, dann nennen wir es Flut und wenn es fort ist ,, dann heißt das Ebbe.
Ebbe und Flut kommen und gehen, genau wie die großen Stürme im Herbst und im Winter und wie das Licht des Leuchtturms, wenn es wieder einmal eine Runde über den Turm gedreht hat um dann gleich wieder von vorne zu beginnen.
Mein Papa war ein Seemann, so ein richtiger mit Uniform und Seesack, einer der sämtliche Weltmeere bereist hatte, von Bremerhaven nach Southampton, von den Fidschi Inseln nach
Sansibar und von Cuxhaven nach New York.
Meine Oma Aenne lebte in New York, sie war ausgewandert, kurz nach dem ersten großen Krieg, der so dumm war wie der Zweite und genauso dumm wie alle anderen Kriege die seither auf dem Rücken der Menschen geführt wurden.
Damals gab es in Deutschland keine Arbeit und wenig Hoffnung, ein Brot kostete 100.000 Mark und die meisten Menschen hatten so viele Sorgen wie Haare auf dem Kopf.
Der Großvater meiner Oma hieß Christian Maria Siebels und war Königlicher Bademeister auf der Insel Norderney.
Offen gestanden war er eigentlich Kapitän, aber durch einen Fehltritt verlor er sein Kommando und musste sich dann, um die Familie zu ernähren, als Bademeister für die Badegäste, im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser halten.
Eines Tages, an einem Sommertag im Jahre Achzehnhundertweißichnicht, saß Christian Maria Siebels auf seinem Bademeisterplatz, bei den Badegästen, am Badestrand von Norderney und beobachtete Ungewöhnliches.
Zwei Kinder, die eben noch fröhlich in den sommerlichen Nordseefluten planschten, wurden von einer Welle erfasst und mit ihr fort getrieben.
Ur-Opa Christian Maria, begriff das abtreibende Unheil, riss seine Meerschaumpfeife aus dem Mund, entledigte sich seiner Joppe und seines Leibchens und sprang den schreienden Kindern hinterher in die Fluten.
Es kostete ihn größte Anstrengung gegen die Wellen anzuschwimmen und den beiden Kindern nicht nur zu folgen, sondern auch den Entfernungsunterschied aufzuholen. Er war nicht mehr der Jüngste und hatte dort am Badestrand von Norderney eigentlich nie jemanden retten müssen und war schon ein bisschen eingerostet.
Mit letzter Kraft erreichte Christian Maria schließlich die um ihr Leben schreienden, mit dem ganzen Körper gegen die Macht der Fluten ankämpfenden Kinder und rettete ihnen das Leben.
Diese beiden Kinder, waren die Kinder des Königs von Hannover und Christian Maria Siebels hatte durch diese heldenhafte Rettung, nichtsahnend wen er da aus den Fluten bewahrte, seine Ehre wiederhergestellt.
Der König schenkte ihm zum Dank eine Schaluppe und fortan schipperte mein Ur-Opa damit, wenn auch nicht über die sieben Weltmeere, zumindest über die Nordsee.
Meine ganze Kindheit, mein Kinderleben und meine Träume, waren mit dem Meer und der Seefahrt verbunden, mit Klabautermännern und Seejungfrauen, mit Tang und Meeresduften, mit dem Abschied von Papa, wenn er wieder an Bord und somit fort musste und mit dem Fernweh, das dich erfasst, wenn du auf dem Deich stehst und übers Meer zum Horizont schaust.
Damals, als kleiner Butscher, wie man in Plattdeutsch, unserer Sprache, zu abenteuerlustigen Jungen sagt, war mir noch nicht bewusst, wie wichtig doch Heimat ist und das man weiß, woher man kommt und wohin man gehört.
Damals hörte ich den Wind rauschen und die Möwen schreien und sehnte mich danach doch stark und heldenhaft zu sein.
Der kleine Krischan, so nannten mich alle in meiner Familie damals, war nämlich alles andere als das, der war ein unsportlicher Träumer, den keiner ernst nahm wegen seiner verrückten Ideen und seiner Tagträumereien.
Meine Kindheit aber war wunderschön, voller Freiheit und Geborgenheit, obwohl ich mir mit Michael, meinem Bruder ein Zimmer teilen musste und unsere Wohnung ziemlich klein war.
Unsere Eltern ließen uns mit ganz viel Liebe, Vertrauen und Respekt gegenüber Anderen aber auch Andersseienden und –denkenden heranwachsen.
Als zum Beispiel ein farbiger Arzt mit seiner Familie zu uns in die Siedlung im Matthias-Claudius-Weg zog, und du kannst glauben, dass farbige Menschen damals in unseren Breiten etwas besonderes waren, war mein Papa der Erste, der uns aufforderte, die Kinder, Philipp, Anastasia und Jennia doch mal zu uns einzuladen.
Doktor Massango, kam aus Mozambique, hatte in Paris studiert und war mit einer russischen Frau verheiratet.
Ich weiß bis heute, wie neugierig ich war von den Geschichten aus Russland und Afrika zu hören, anderen, fernen Welten, die ich wohl niemals sehen würde.
Welten, die uns in Cuxhaven unserem kleinen Nest an der Elbemündung, verborgen blieben, allein schon deshalb, weil man damals nicht einfach nach Russland fahren konnte.
Noch etwas was einer der doofen Kriege verursacht hatte, diesmal der Zweite.
Die Machthaber konnten sich nicht annähern, nicht einigen, zu weit entfernt waren ihre Ideen von einer guten Welt, von denen der Anderen und so ließen sie einfach einen Eisernen Vorhang, der aber nicht aus Eisen, sondern Gleichgültigkeit und Härte bestand, zwischen den beiden Welten nieder.
Papa konnte nach Russland reisen, mit dem Schiff und er erzählte uns dann die Geschichten, die er erlebte, brachte Bilderbücher mit ganz anderen Buchstaben mit und forderte meinen Bruder und mich immer wieder auf, dass wir uns mit Dingen niemals abfinden sollen, wenn sie ungerecht schienen.
Der Krischan von damals verstand das nicht immer, der Christian von heute ist seinen Eltern für all das, was sie ihm mitgegeben haben sehr dankbar.
Ich bin ein Norddeutscher, einer, dessen Zuhause auf den Bühnen der Welt ist, aber dessen Wurzeln und Mutterboden, ja, die Heimat, hier im Norden bleibt.
Deshalb könnte ich heulen, wenn den Fischern bei uns die Liegeplätze genommen werden, die Enkel von denen, die Cuxhaven einstmals zu dem gemacht haben was es war.
Darum gehe ich auf die Straße mit all meinen anderen Nordlichtern und demonstriere für unsere Identität und unsere Heimat.
Nicht schweigen, mitmachen und aufstehen, nicht nur im Norden, auch im Süden, Osten, Westen und in Eueren Herzen!
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